Rathaussturm 2015

Das Darmstädter Echo veröffentlichte am 12.01.2015 folgenden Artikel:
 

PFUNGSTADT.   Christiane Berns, die KVP­Vorsitzende, hatte dazu die Reihen der Angreifer dicht um sich am  Stadthaus geschart, bevor sie zum Rathaus aufbrachen. „Wir haben uns wieder ausreichend  mit Freunden verstärkt, um den Verteidigern im Ratssaal ordentlich Respekt abzuverlangen  und sie zur Übergabe zu bringen“, erläuterte sie unter Verweis auf die illustren Gäste, die  auch keine langen Wege gescheut hatten. Dazu gehörten Prinzessin Gudrun Becker I. und ihr  Hofmarschall Ralf Barth vom Karneval Komitee Lahneburg aus Löhnburg bei Weilburg,

 

 die  seit zehn Jahren mit dem Pfungstädtern befreundet sind.   Sie hatten außerdem eine kleine aber lautstarke Kanone im Gepäck, die der inzwischen  80­jährige Heinz Strauß gebaut hat. Mit dabei waren auch mit ihren Kanonen die Wiesbadener  Prinzengarde, die Stadtgarde Griesheim und der TS und CV St. Stephan, die Weiterstädter  Musketiere und das Goldene Corps des Carneval Club Messel. Unterstützung boten auch die  Freunde vom Karneval Club Cochem Eschollbrücken/Eich und die Schützen der  Schießsportvereinigung Pfungstadt.   Derart hilfreich unterstützt zogen die KVP­Aktiven mit Garden und Fanfarenzug vors Rathaus  in der Kirchstraße, wo sich schon zahlreiche Schaulustige eingefunden hatten, die dem  Geplänkel zwischen Angreifern und Verteidigern lauschen wollten. Dabei zeigte sich  Bürgermeister Patrick Koch (SPD), der sich mit Vertretern des Magistrats und des Parlaments  in den Sitzungssaal des Hauses verzogen hat, äußerst unwillig, den Narren ihren Wunsch nach  einer Übergabe der Insignien zu erfüllen. „Geht nach Haus, denn dies’ Jahr fällt Fastnacht  aus“, beschied er den Narren. Als Sprecher der Angreifer stand KVP­Sitzungs­ und  Ehrenpräsident Manfred Engelhardt an der Spitze der Rathausstürmer und führte das Wort.   Kanonen werden ohrenzerfetzend betätigt   Angesichts des geschlossenen Schwimmbads sollte der Bürgermeister wenigstens das Rathaus  öffnen, dann werde man ihn und seine Kollegen vom Amt bis Aschermittwoch entlasten, so  Engelhardt. Seine Arbeit sei umfangreich und nicht erstrebenswert, denn die Stadt zu sanieren  bedeute, „die Leut’ hauen einem die Backen voll“, stellte Koch fest. Nach einigem  Wortewechsel deutete er jedoch Bereitschaft zum Einlenken an, falls die Karnevalisten  ordentlich was zeigen würden. Also traten der Fanfarenzug auf, dann wurde gemeinsam  gesungen und geschunkelt und schließlich die mitgebrachten Kanonen ohrenzerfetzend  betätigt. Der stürmische Wind sorgte dafür, dass der Qualm der Kanonen und das von ihnen  verschossene Konfetti auch trotz kräftezehrender Ausrichtung auf die Rathausfenster auf die  Angreifer zurücktrieben.   Schließlich erwies sich Patrick Koch als waschechter Demokrat, der nicht aus eigener  Entscheidung das Rathaus aufgeben wollte, sondern alle Anwesenden zur Abstimmung per  Handaufheben aufrief. Damit erhielt er eine nahezu hundertprozentige Zustimmung zur  ordnungsgemäßen Übergabe der Stadtregierung an die Narren. Diese Entscheidung  akzeptierte der Bürgermeister, ließ den Stadtschlüssel an einem langen Seil aus dem  Rathausfenster herunter zu Engelhardt.   Doch anstelle einer prallgefüllten Stadtkasse, aus der die Narren bis Aschermittwoch nach  Gutdünken Wohltaten verteilen könnten, hatte der Bürgermeister einen Sack prall gefüllt mit  den Stadtschulden parat zur Übergabe. Schlüssel und diesen wahrscheinlich noch genau so  vollen Schuldensack wird er erst beim Heringsessen und der Beerdigung der Fastnacht an  Aschermittwoch wieder erhalten. Bis dahin wollen sich Koch und seine Unterstützer aus  Magistrat und Parlament auch mit Stadtmützen auf eigene Kosten ausstaffieren als eigene  Narrenkappen. Sie sind in den Farben blau und weiß mit dem Stadtwappen bereits geordert 
und werden in den nächsten Tagen im Rathaus eintreffen, damit sie noch in der laufenden  Kampagne zum Einsatz kommen.   Auch ohne mit diesen Kappen kenntlich zu sein, mischten sich Koch und seine Verteidiger  nach der erfolgreichen Erstürmung des Rathauses unters Narrenvolk in der Säulenhalle, wo  Angreifer und Verteidiger friedlich zusammen feierten